Konzept und Tagungsprogramm


Die Tagung setzt die nun knapp 20jährige Tradition der Europhras-Tagungen fort, die jedes zweite Jahr an unterschiedlichen Orten ausgerichtet werden. Das Thema der Tagung ist einerseits wie auch schon bei früheren Tagungen bewusst breit formuliert, um die Vielfalt der phraseologischen und parömiologischen Fragestellungen und Herangehensweisen weltweit abbilden zu können. Auch diese Tagung will die zentrale Veranstaltung für alle renommierten und jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden, die sich im weitesten Sinne des Wortes mit Besonderheiten der Verbindungen von Wörtern als Grundkonstituens der verbalen und nonverbalen menschlichen Kommunikation sowie der Repräsentation von Weltwissen beschäftigen. Andererseits fokussiert die Tagung das Thema auf einige bis jetzt kaum oder wenig diskutierte Fragestellungen und will als Diskussionsplattform für folgende desiderate Aspekte dienen:

1.    Theoretische Konzepte

Darauf, dass die etablierten Begriffe Phraseologismus, Phrasem, Sprichwort, Kollokation, Konstruktion usw. für die Beschreibung der real vorkommenden Sprache nicht (immer) ausreichen, wurde in der Forschung bereits mehrmals hingewiesen. Eine Reihe von mehr oder weniger verwandten Konzepten ist entstanden. Allerdings erfolgte die Diskussion in den allermeisten Fällen entweder ohne die Bezugnahme der „älteren“ und „neueren“ Positionen aufeinander oder führte zu geringen theoretischen Erträgen. Innerhalb der Linguistik bleibt die Frage offen, welchen Platz die Wortverbindungsperspektive z.B. bei der grammatischen Beschreibung des Sprachsystems, der Sprachverwendung (Diskurse), des Sprachwandels oder der Sprachgeschichte spielen soll. Außerhalb der Linguistik lässt sich fragen, ob und wie das in anderen Fächern (z.B. Kunstgeschichte, Rechtswissenschaft, Literaturwissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft, Ethnologie, Psychologie) existierende Verständnis und durchaus ausgeprägte Interesse an Wortverbindungen für die „klassische“ Phraseologie- und Parömiologieforschung berücksichtigt bzw. integriert werden soll. Was kann/soll die linguistisch ausgerichtete Phraseologieforschung ihrerseits für diese Fächer tun? Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlichster Philologien sowie anderer nicht (primär) linguistischen Fächer sind deshalb ausdrücklich willkommen.

2.    Methodische Herangehensweisen

Theoretische Neuerungen sind nicht zuletzt u.a. der Verwendung korpuslinguistischer Methoden, der Erkenntnisse der Digital Humanities und neuer Daten (z.B. gesprochene Sprache, sprachhistorisches Material, Daten der wenig normierten Sprachen und Dialekte) zu verdanken. Trotz eindeutiger Fortschritte und kaum überschaubarer Sekundärliteratur bleiben auch hier zahlreiche Herausforderungen bestehen: von der Korpusarchitektur (insbesondere für sprechsprachliche und sprachhistorische Daten) über Annotation, Retrieval, Auswertung und Visualisierung bis hin zur nachhaltigen Datenpflege. Oft fehlt es an einem einfachen „Blick über den Tellerrand“ des eigenen (kulturwissenschaftlichen) Faches und an Informationen über existierende Software und Technologien. Diese werden ihrerseits aber auch nicht immer in enger Kooperation mit Text- und Bildwissenschaften entwickelt und erweisen sich beim Einsatz als aufwendig. Die Tagung versteht sich als Plattform für einen Dialog zwischen kulturwissenschaftlichen und informationstechnologischen Fächern. Beiträge aus dem Bereich der Digital Humanities sind sehr erwünscht!

3.    Wortverbindungen linguistisch und integrativ

Ferner betrachtet die Tagung Wortverbindungen transdisziplinär, d.h. sie verbindet ihre wissenschaftlichen (vorwiegend linguistischen) Untersuchungen mit praktischem bzw. angewandtem Wissen über sie. Sie geht von der hohen Relevanz der Wortverbindungen beim Spracherwerb, bei der Sprachvermittlung sowie der bewussten und unbewussten Sprachreflexion aus. Somit werden Wortverbindungen nicht als Gegenstände diskutiert, die ausschließlich wissenschaftsinternen Diskursen entspringen, sondern als unentbehrliche und oft konstitutive Elemente diverser gesellschaftlicher und privater Kommunikationssituationen. Semantische, pragmatische, morphosyntaktische, kulturspezifische bzw. kulturbasierte Besonderheiten der Verwendung von Wortverbindungen in solchen Kommunikationssituationen in verschiedenen modernen wie historischen Sprachen, Umgangssprachen, Dialekten, Spezifika ihrer Manifestationen und Dynamiken in unterschiedlichen Text(sort)en und Diskursen, Auswirkungen der Spezifika auf die Praxis der Wörterbuchschreibung, die Prozesse der Normierung und Grammatisierung sowie die Erstellung von Lehrwerken stehen im Mittelpunkt der Beiträge der dritten Gruppe.

Auch wenn die vorgeschlagenen Schwerpunkte als Denkanstöße verstanden werden sollen, wird bei der Auswahl der Beiträge auf ihre Berücksichtigung Wert gelegt.

Die Sprachen der Tagung sind Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.

Es ist geplant, ausgewählte Vorträge der Tagung nach Abschluss eines peer-review-Verfahrens in Form eines elektronischen Sammelbandes zu veröffentlichen. Eine weitere Auswahl wird in Buchform publiziert.

Tagungsprogramm: Überblick

Tagungsprogramm: ausführliche Darstellung (mit Vortragstiteln)